b_28.jpg
 
  • Leitlinien
  • Empfehlungen
  • Suche
  • Hintergrundinformationen
  • Über Proceed
 
Switch Language to english Switch Language to german Switch Language to france Switch Language to polish
Leitlinien online
Methoden der Marktanalyse
   Grundlagenanalyse
   Bedarf und Erwartungen der Nutzer
   Marktanalyse / Nachfragebeobachtung
   Qualitätsmessungen
Liniennetz und Infrastruktur
Finanzierung
Management
Marketing
 
Download Guidelines (pdf):
English
German
French
Polish


Marktanalyse / Nachfragebeobachtung

Mit der systematischen Beobachtung der Nutzung des ÖPNV-Systems wird sichergestellt, dass das System maximale Leistung erbringt.
Erläuterung:

Das Ziel von Marktanalysen und Nachfragebeobachtungen besteht im Sammeln von Daten, die dem ÖPNV-Management (auf Behörden- oder Verkehrsunternehmensebene) eine objektive Bewertung der gegenwärtigen Situation, vergangener Trends, bestehender Schwachpunkte und nicht erfüllten Bedarfs ermöglicht.

Umfassende Kenntnisse zur bestehenden Nachfrage und Nachfragestruktur sind Grundvoraussetzung für das Erkennen von Problemen und die entsprechende Planung. Die systematische Erfassung von Daten vereinfacht die folgenden Aufgaben:

  • Neugestaltung bzw. änderungen des bestehenden Liniennetzes (z. B. Wie viele Fahrgäste sind von der änderung der Streckenführung betroffen?),
  • Detaillierte Planung und Berücksichtigung von Effizienzgesichtspunkten (z. B. Wie viele Personen nutzen eine bestimmte Linie? Ist diese Linie wirtschaftlich?),
  • Tarifkalkulation (z. B. Wir wirkt sich die Umstrukturierung der Tarifzonen aus?),
  • Verteilung der Einnahmen unter verschiedenen Unternehmen (z. B. Wie viele Fahrten werden mit Tickets unternommen, die von einem anderen Betreiber ausgestellt wurden?),
  • Marketingmaßnahmen (z. B. Wie können niedrige Fahrgastzahlen in einem bestimmten Wohngebiet erhöht werden?),
  • Statistische Daten zur Verkehrsplanung (z. B. Wie viele Fahrten unternimmt ein Einwohner im Durchschnitt pro Jahr?).

Zur Erhebung von Nachfrageinformationen stehen im Wesentlichen zwei Verfahren zur Verfügung:

  • Beobachtung der Fahrgastzahlen: In vielen europäischen Ländern werden die Fahrgastzahlen regelmäßig durch manuelle Zählungen erhoben (z. B. einmal pro Jahr). Es werden aber auch automatische Systeme zur Fahrgastzählung eingesetzt, die die Anzahl der Fahrgäste, die an der jeweiligen Haltestelle ein- bzw. aussteigen, erfassen. In einigen Fällen kann auch die Anzahl der verkauften Tickets als Maßstab herangezogen werden.
  • Analyse der bestehenden ÖPNV-Nachfrage: Die bestehende Nachfrage wird hauptsächlich im Rahmen von Umfragen in den Bussen ermittelt. Die Fahrgäste werden zunächst zahlenmäßig erfasst, und dann zu bestimmten Merkmalen befragt, unter anderem zum Anlass der Fahrt, dem Ausgangs- und Zielpunkt der Fahrt, Fahrtdauer und gegebenenfalls Informationen zum Umsteigen, Ticketnutzung und Kundenzufriedenheit. Solche Umfragen in Fahrzeugen werden in 79 % der Städte, die an der PROCEED-Fallstudienanalyse teilnehmen, auf regelmäßiger Basis durchgeführt.

Die Nachfrage kann sich aufgrund saisonbedingter Einflüsse, unvorhergesehene Ereignisse oder sonstiger Umstände von Tag zu Tag ändern. Dies führt zu unterschiedlichen Nachfrageergebnissen für ein und dasselbe Angebot. Dies sollte bei der Datenerhebung berücksichtigt werden, wobei sich die Heranziehung von landes- bzw. städtespezifischen statistischen Daten anbietet. In Schweden hat man zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass die Daten der Monate Oktober und April den Jahresdurchschnitt sehr gut widerspiegeln.

Insbesondere in Fällen, in denen der Betrieb an einen Verkehrsunternehmen übertragen wurde, und die Entscheidungsträger (z. B. zuständige Behörde) nicht regelmäßig in den Tagesbetrieb eingebunden sind, sind die für die Entscheidungsfindung notwendige Daten nicht automatisch verfügbar. Sinnvolle Entscheidungen, die zur Verbesserung des ÖPNV beitragen, können jedoch nur getroffen werden, wenn den Entscheidungsträgern die entsprechenden Daten bekannt sind. Auch die öffentlichkeit wird daran interessiert sein zu erfahren, wie gut der angebotene Service funktioniert. Daher sollte zwischen der zuständigen Behörde und dem jeweiligen Verkehrsunternehmen unter Berücksichtigung der jeweiligen Aufgaben ein klares Verfahren im Hinblick auf den Datenfluss vereinbart werden. Vereinbarungen dieser Art sollten vorzugsweise schon im Vergabevertrag festgehalten werden.

Die systematische Beobachtung stellt eine notwendige Vorbedingung für ein erfolgreiches ÖPNV-Angebot dar. Umfragen, die nur in unregelmäßigen Abständen und/oder unter Verwendung unterschiedlicher Methoden durchgeführt werden, liefern keine vergleichbaren Ergebnisse, so dass keine Trends erkannt werden können. Folglich muss schon bei der Konzeption der Umfragen die Vergleichbarkeit der Daten berücksichtigt werden. Als Mindestvoraussetzung für die Durchführung von Umfragen dieser Art sollten daher Intervalle von einem Jahr (ausnahmsweise von zwei Jahren) angesehen werden. Beispiele dazu finden Sie unter ► Hintergrundinformationen: Marktanalyseverfahren in den Niederlanden.

Kritische Punkte:

Bei der Durchführung von Umfragen zu Marktforschungszwecken sind stets die Ziele der Umfrage in Betracht zu ziehen und bei der Planung ist insbesondere auf die folgenden Punkte zu achten:

  • Festlegung der Stichprobengrundlage und der Stichprobenmethode
  • Umfragetechniken (Verteilung / Art der Umfrage)
  • Aufbau des Fragebogens (Inhalt / Formulierung / Klarheit / Format etc.)
  • Qualitätskontrolle (korrekte Eingabe und Codierung)
  • Auswertung (Genauigkeit / Zuverlässigkeit / repräsentativer Charakter)
  • Interviewereffekte
Praxisbeispiele:
  • Avilés (Spanien): In Avilés werden jedes Jahr im November Umfragen an Haltestellen durchgeführt. Im Rahmen dieser Umfragen werden Informationen zu dem Start- und Zielpunkt der Fahrten und zu den Nutzergruppen zusammengetragen. Außerdem wird der Grad der Kundenzufriedenheit gemessen.
  • Frankreich: In Frankreich werden die Ergebnisse der statistischen Untersuchungen zum öffentlichen Personennahverkehr von den folgenden Institutionen zusammengestellt: CERTU („Centre d’Etudes sur les Réseaux, les Transports, l’Urbanisme et les constructions publiques“ – Zentrum für Netz-, Verkehrs- und Stadtplanung und öffentliches Bauen) in Zusammenarbeit mit GART („Groupement des Autorités Responsables de Transport“ – Vereinigung der Verkehrsbehörden) und UTP („Union des Transports Publics“ – Verband öffentlicher Personennahverkehr). Diese Daten ermöglichen einen landesweiten Vergleich der einzelnen Verkehrsnetze, sowie eine Zeitreihenanalyse zur Leistungsfähigkeit der einzelnen Stadtverkehrsnetze. Bei der Datenerhebung wird insbesondere die Methode der EMD-Umfrage („enquête ménages déplacements“) eingesetzt, bei der das Verkehrsverhalten der Haushalte untersucht wird. Diese Methode liefert zuverlässige Daten, die räumlich und zeitlich miteinander vergleichbar sind. Die Umfragen werden in einem Intervall von zehn Jahren durchgeführt, wobei im gesamten Land die von CERTU entwickelte Standardmethode angewendet wird.
  • Deutschland: In nahezu allen ÖPNV-Systemen in Deutschland werden regelmäßige Umfragen durchgeführt. Diese dienen zum einen der Ermittlung von Daten, die zur Einnahmenaufteilung unter mehreren Verkehrsunternehmen herangezogen werden. Zum anderen werden die in Bezug auf die Nutzerzahlen und das Kundenverhalten gewonnenen Ergebnisse in vielen Fällen zur Umgestaltung bzw. Optimierung der ÖPNV-Netze und Fahrpläne genutzt.
Literaturhinweise und weiterführende Informationen:

HiTrans (2005d) Public Transport - Citizens' Requirements. Best Practice Guide 5. Veröffentlicht vom HiTrans-Konsortium. ISBN 82-990111-6-7. http://www.hitrans.org

Transportation Research Board (2003) A Guidebook for Developing a Transit Performance measurement system. TCRP – Report 88. Washington (USA). Download: http://onlinepubs.trb.org/onlinepubs/tcrp/tcrp_report_88/Guidebook.pdf

Verwandte Leitlinien:

Qualitätsmessungen

Betriebsleitsysteme

Hintergrundinformationen: Marktanalyseverfahren in den Niederlanden

In den Niederlanden gibt es drei landesweite Umfragen, mit denen das ÖPNV-Nutzerverhalten untersucht wird. Umfrage zur Mobilität (A), zur Zufriedenheit der Nutzer des ÖPNV (B) und zu den Personenkilometern im ÖPNV (C). Außerdem werden Kundenbeschwerden und Kundenfeedback in sonstiger Form berücksichtigt (D).

A. MON (= Mobility research Netherlands): Diese Umfrage besteht aus einer Befragung der Haushalte in Kombination mit individuellen Fahrtentagebüchern. Die Umfrage wird das ganze Jahr über durchgeführt (jeden Monat werden 4.350 Adressen, sowie 4.350 Ersatzadressen zufällig ermittelt). Pro Jahr liegen 50.000 ausgefüllte individuelle Fahrtentagebücher und 24.000 dazu gehörende Fragebögen vor. über die so zustande gekommene Datenbasis sind Analysen auf lokaler Ebene möglich.

B. Klantenbarometer ( = Kundenzufriedenheit im lokalen und regionalen ÖPNV): Ziel dieser Umfrage ist die Ermittlung der Kundenzufriedenheit im lokalen und regionalen ÖPNV der Niederlande. Beim Einsteigen werden Fragebögen an ÖPNV-Fahrgäste zufällig verteilt und beim Aussteigen wieder eingesammelt. Auf diese Weise kommen 80.000 bis 90.000 Fragebögen pro Jahr zusammen. Die Fahrgäste werden darum gebeten, zunächst eine Gesamtbewertung zu ihrer aktuellen Fahrt abzugeben. Danach werden ihnen Fragen zu unterschiedlichen Aspekten gestellt, wie zum Beispiel die Bereitstellung von Informationen, das Ticketing, die Zugänglichkeit zum Fahrzeug, soziale Sicherheit, Komfort, Fahrzeit, Preis usw. Zum Abschluss erhält jeder Befragte die Gelegenheit, allgemeine Anmerkungen zu machen. Um eine systematische Auswertung zu ermöglichen, werden außerdem Fragen zu Alter, Nutzungshäufigkeit und Anlass der Fahrt und vorhandener Pkw gestellt. Diese Umfragen werden im Laufe des Jahres an 7.000 bis 8.000 Haltestellen durchgeführt, wobei diese aus allen Haltestellen, differenziert nach Region und Verkehrsmittel (Bus, Straßenbahn, Metro, Regionalbahn) zufällig ausgewählt werden. Die KpVV (Kennisplatform Verkeer en Vervoer = Wissensplattform für Verkehr und Transport) ist für die die Planung und Durchführung der Umfrage zuständig. Die Ergebnisse sind über das Internet für die öffentlichkeit frei zugänglich.

C. WROOV (Werkgroep Reizigers Omvang en Omvang Verkopen = Arbeitsgruppe Fahrgastzahlen und Umsatzzahlen): Seit 1980 unterhalten die Niederlande ein landesweites Tarifsystem für den städtischen und regionalen öffentlichen Verkehr. Dieses System bietet den Fahrgästen den großen Vorteil, im gesamten Land das gleiche Ticketing-System benutzen zu können. Die Preisbildung basiert auf der Anzahl durchfahrener Zonen. In regelmäßigen Abständen werden Fahrgastbefragungen (Genauigkeit von 95 %, Testierung durch unabhängige Buchprüfer, Verkehrsunternehmen und Verkehrsministerium) durchgeführt, um die Benutzung der nationalen Tickets zu verorten, was als Verteilungsschlüssel dient.

D. Kundenfeedback: In den meisten Konzessionsverträgen sind die Verkehrsunternehmen dazu verpflichtet, eingehende Kundenbeschwerden zu registrieren und zu beantworten sowie ggf. entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Außerdem müssen sie der zuständigen Verkehrsbehörde regelmäßig über diese Vorgänge berichten.

© 2007 PROCEED All rights reserved. | Legal Disclaimer